Hochschule Zittau/Görlitz

Hochschule Zittau/ Görlitz
Lehrgebäude GII
Umbau und Sanierung

Situation

Der Gebäudekomplex GII ist Bestandteil des in den vergangenen Jahren neu gestalteten Hochschulcampus am Standort Görlitz der Hochschule Zittau/Görlitz.

Der historische Bau besteht aus zwei Gebäudeteilen, welche im Erdgeschoss und im 1. Obergeschoss durch einen Übergangsbau miteinander verbunden sind. Der nordöstliche Gebäudeteil (im Weiteren Hinterhaus genannt) wurde von 1905 bis 1907 als Gebäude der “Rothenburger Versicherungsanstalt a. G.” erbaut und 1913/1916 durch einen südöstlichen Gebäudeteil (im Weiteren Vorderhaus genannt) ergänzt. Das Bauwerk ist eingetragenes Denkmal der Landesdenkmalliste Sachsen und wird seit Mitte des 20sten Jahrhunderts als Lehrgebäude genutzt.

In den vergangenen Jahren erfolgten bereits Baumaßnahmen an der äußeren Hülle. Allgemein war der bautechnische Zustand jedoch schlecht, sicherheitsrelevante Anforderungen für eine Hochschule wurden nicht mehr erfüllt. Das machte eine umfassende Sanierung des Gebäudekomplexes notwendig.

Die Herausforderung bestand darin, die modernen Anforderungen an Lehre und geltende bautechnische Gesetzlichkeiten im Kontext mit dem historischen Bestand zu realisieren.

Das Grundstück liegt im östlichen Teil des Stadtzentrums von Görlitz, außerhalb des historischen Stadtkerns.

 

Funktionelle Lösung

In den Gebäuden sind die Fachbereiche Informatik, Sozialwesen, Kommunikationspsychologie und Sozialwissenschaften, das Rektorat und Bereiche der Hochschulverwaltung untergebracht. Die Räume wurden funktionell neu geordnet, um den Lehrbetrieb zu optimieren. Die Gebäudeteile sind brandschutztechnisch ertüchtigt und technisch auf den neuesten Stand gebracht worden.

Die behindertengerechte Erschließung ist durch den Einbau von Aufzügen sichergestellt.

Hinterhaus Brandschutzverglasung
Hinterhaus Treppendetail 1
Hinterhaus Treppendetail 2

 

Gestalterische Lösung

Der Anfang des 20sten Jahrhunderts durch den Architekten Gerhard Röhr geplante Bau weist neben der ausgereiften Architektur der Fassaden außergewöhnliche Lösungen der Innenarchitektur (Treppenhausanlagen und Eingangsbereiche) auf. Um den baukünstlerischen Wert in den Erschließungsbereichen so wenig wie möglich zu beeinträchtigen und dem Gebäude trotzdem ein modernes Erscheinungsbild zu geben, sind notwendige Brandschutzabtrennungen als Systemglaswände eingebaut worden.

Die im Gebäudekomplex vorhandenen wertvollen historischen Außen- und Innentüren wurden aufgearbeitet.

Als neue Türen wurden im Gegensatz dazu Vollspantürelemente mit einer farblich abgestimmten gebeizten Echtholzfurnieroberfläche vorgesehen. In den Treppenhäusern des Hinterhauses gibt es Fenster mit farbigen historischen Ornamentgläsern. Durch die in München ansässige Firma Gustav van Treeck Bayerische Hofglasmalerei erfolgte die Überarbeitung und Erneuerung der Glasteile nach den historischen Originalentwürfen von Gustav van Treeck jun.. Vorhandener Deckenstuck wurde gesichert und partiell ergänzt.

Die Flure erhielten fugenlose Akustikdecken. Die Farbgestaltung erfolgte gemäß restauratorischem Befund einfarbig. Der Verbindungsbau erhielt eine dem Bestand angelehnte Farbfassung mit dunklem Sockelfarbton und hellen Wand- und Deckenflächen sowie eine gemalte Kassettierung an den Bögen.

Bauzeitliche Unterschiede der beiden Gebäudeteile spiegeln sich bei der Materialwahl im Fußboden ab und wurden bewusst wieder aufgenommen.

Der im Hinterhaus eingebaute Fußbodenbelag aus Terrazzo wurde gesäubert, punktuell ausgebessert. Ergänzend dazu erhielten einige Flure dem Bestand angepassten neuen Terrazzobelag bzw. Linoleum mit Intarsien. Für die Bodengestaltung der Flure im Vorderhaus wurden die im Treppenhaus vorhandenen schwarzen und weißen Fliesen als Motiv wieder aufgenommen und in Bändern bzw. Schachbrettmuster verlegt eingesetzt.

Zur Verbesserung der Raumakustik sind schallabsorbierende Decken und Wandverkleidungen eingebaut worden.

Die Sanierung der angrenzenden Außenanlagen rundet die Maßnahme ab.

 

Hörsaal
Verbindungsbau
Vorderhaus Bodenbeläge in den Fluren

 

Technische Gebäudeausrüstung

Mit der teilweisen Neuanordnung der Sanitärräume waren Be- und Entwässerungsleitungen neu zu verlegen, mit Sanitärgegenständen auszustatten bzw. nach Ergebnissen der TV-Kamerabefahrung auch die Grundleitungen zu erneuern.

In der Heizzentrale wurde die alte Verteileranbindung der Heizkreise optimiert. Die Pumpenleistungen und die Zonenregelungen wurden angepasst, das komplette Leitungsnetz einschließlich der Heizkörper wurde erneuert.

Für die Hörsäle wurde eine zentrale Teilklima- und Lüftungsanlage mit einer hochwirksamen 2-stufigen Wärmerückgewinnungseinheit installiert. Die zugfreie Zuluft-Einbringung in die Hörsäle wird über Druckböden und Stufenauslässe unter jedem Sitz mit einer „Quelllüftung““ realisiert. Die Abluft wird über eine sogenannte „Schattenfuge“ und verdeckt im Deckenhohlraum installierte Lüftungsgitter abgesaugt. Als Standort des Zentralgerätes wurde im DG-Vorderhaus eine RLT-Zentrale hergerichtet.

PC- und Serverräume, Vorder-/Hinterhaus erhielten Umluft-Kühlanlagen.

Aufgrund der Entfernungen der Verbraucher war die Installation von getrennten Kälteerzeugern in Vorder- und Hinterhaus notwendig. Dies erhöhte gleichzeitig die Betriebssicherheit.

Im Gebäudekomplex musste die bestehende Elektroinstallation vollständig erneuert werden. Es wurden neue Hauptverteilungen für Vorderhaus und Hinterhaus errichtet. Die einzelnen Seminarräume, Hörsäle und Labore erhielten jeweils eigene Unterverteilungen. Die Auswahl der Beleuchtung erfolgte entsprechend der Anforderungen der Fachbereiche. Es wurden energieeffeziente hochwertige Leuchten eingesetzt. In den Hörsälen sind diese dimmbar ausgeführt.

Für die notwendige Sicherheitsbeleuchtung sind die betreffenden Leuchten mit energiesparenden und langlebigen LED-Leuchtmitteln ausgerüstet. Entsprechend der Forderung des Nutzers wurde ein Datennetz in Kategorie 6/7 installiert. Gebäudeübergreifende Datenverbindungen und Verteilpunkte in den einzelnen Fachkabinetten sind mit Glasfaserkabeln ausgeführt. Im Hinterhaus wurde ein Zentraler Verteilpunkt für den gesamten Campus Görlitz neu aufgebaut. Bestehende Verbindungen zu den anderen Gebäuden am Standort Görlitz mussten wieder integriert werden.

Das Objekt erhielt eine Brandmeldeanlage mit automatischen und Handmeldern.

Ein Zutrittskontrollsystem ermöglicht nur berechtigten Personen den Zugang zu den Fachkabinetten.

Die Hörsäle und Fachkabinette wurden mit modernster Medientechnik ausgestattet.

Vorderhaus Treppenauge
Außendetail
Hinterhaus Antikverglasung
Hinterhaus Fensterdetail
Hinterhaus historische Türen
Hinterhaus Terrazzobelag aufgearbeitet
Hochschule Zittau-Görlitz Lehrgebäude GII in Görlitz
Seminarraum
Vorderhaus neuer Fliesenbelag im Treppenhaus
Vorderhaus Brandschutzverglasung im Treppenhaus
Vorderhaus Brandschutzverglasung
Vorderhaus Fliesenbelag im Treppenhaus aufgearbeitet